Eine Reise zurück in die Zukunft mit mir und Alexander Samsz.

Die Mannen von Extrabreit sind seit fast 40 Jahren zusammen. Gegründet 1978 in Hagen haben sie Höhen und Tiefen jeglicher Art gemeistert.

Auch auf die Gefahr hin, dass mir die Extrabreiten an den Kragen gehen: Sie haben mit ihrer Musik und ihren Kompositionen die Anfänge der NDW (zusammen mit einigen wenigen anderen Bands und Interpreten) eingeleitet und beeinflusst.

Klar: Mit dem von den Plattenfirmen dieser Zeit überproduzierten NDW-Mainstream und der Marktüberflutung mittelmäßiger Interpreten hatten Extrabreit wenig zu tun, aber:

Bereits 1978 veröffentlichten Sie erste Aufnahmen in deutscher Sprache. Mit Elementen des Post Punk und New Wave – was ja eigentlich Neue [deutsche] Welle bedeutet – gaben auch sie der derzeitigen deutschen Songkultur und Szene einen ordentlichen Schub.

Extrabreit seit 1978 haben die NDW überlebt, Rockmusik mit deutschen Texten

Die Band, Foto: Anna Maria Erkeling, Mit freundlicher Genehmigung der Breiten

Fast 40 Jahre später haben sie so ziemlich alle Interpreten und Bands dieser Epoche überlebt. Besetzungswechsel, Auflösung und Reunion, die Übersättigung des Musikmarktes in den 80ern und das ein oder andere Drogenproblem haben diese Band nicht zerstört.  Die Jungs haben fortwährend Platten produziert, Tourneen gespielt und außergewöhnliche Projekte wie z.B. die orchestrierte Aufführung ihrer Songs mit der Hagener Philharmonie realisiert.

 

Extrabreit in Menden am 3.4.1987So sind Alexander und ich am 16.12. voll der Vorfreude ins Underground nach Köln gefahren, um uns Extrabreit mal wieder live anzusehen und etwas in Erinnerungen zu schwelgen (eines meiner letzten Extrabreitkonzerte war kurz vorm Abi 1987).

Auf der Hinfahrt haben wir kurzer Hand das Aufnahmegerät angeschmissen und ein wenig über die 80er, NDW, deutsche Textkultur und Konzerte geplaudert. Dabei gab es noch einige Songs aus der Konserve. Die Aktion hat großen Spaß gemacht und uns auf den nachfolgenden Konzertabend eingestimmt.

Unser Gespräch auf der Autofahrt kannst Du im Podcast unter www.thomasberndt.com/folge34 hören.

 

Nun kamen wir also in Köln an und man: es war eisig kalt. Nach einigem hin- und her irren durchs Viertel (zu Fuß) auf Grund von chronischem Orientierungsmangel, kamen wir gut unterkühlt im völlig ausverkauften Underground an.

Ich muss zu meiner Schande gestehen: Ich war vorher noch nie dort (Alexander der alte Konzerthase natürlich schon …) und war angenehm überrascht: Eine sehr coole Location, vorne Biergarten mit Imbissbude, hinten links Kneipe und rechts Konzertsaal mit Theke. Tolles Ambiente. Leute alle sehr freundlich, die Stimmung war schon vor dem Konzert sehr gut. Das Publikum vom Alter her sehr gemischt. Von sehr jung bis (gefühlt) kurz vom Stadtteilrollator war so ziemlich jede Altersgruppe dabei.

Als wir in den Club hinein gingen, war bereits gute Laune angesagt. Die Zuschauer fieberten dem Gig der Band entgegen.

Auf der Bühne standen zwei ordentliche Marshall Stacks vor dem Banner mit dem Text „Extrabreit seit 1978“, da war klar: Heute gibt es ordentlich was auf die Mütze. Ich mag den Sound der Marshalls einfach total. Da werde ich heiß …

Etwas warten, in die gute Stimmung eintauchen, ein zwei Bier und dann ertönt auch schon die Intromusik . Tobender Applaus und los geht der Rock’n Roll.

Extrabreit live in Köln im Underground

Extrabreit im Underground Köln, Foto: Alex beim Pogen

Der Sound ist direkt – wie nicht anders erwartet (oder erhofft) – ausgewogen, gewaltig. Alle Instrumente kommen gut rüber. Kompliment an den Tontechniker.

Kai’s Gesang ist gut und deutlich zu hören. Er steht über der pulsierenden, äußert gut eingespielten Rhythmusgruppe und ist doch auch in den Bandsound eingebettet. Er ist in Bestform:  Beweglich, publikumsnah, sympathisch und textsicher. Seine markante Stimme (die hat sich mir früher erstmalig so richtig bei Kleptomanie auf die Festplatte gebrannt), gesanglich perfekt und sowohl in tiefen wie auch in höheren Lagen gut gesungen. Das Mikrophon erscheint mit der Hand verwachsen, wie ein neues Körperteil – nicht wegzudenken.

Auch der Chorgesang der anderen Musiker kommt gut rüber, klingt gut und bringt zusätzlich Farbe in den Bandsound.

Ich höre direkt: Die Jungs sind eingespielt, die haben Spaß. Da muss ich gar nicht erst bis zu den (ausgiebigen!) Zugaben warten. Leidenschaft und Energie von der ersten Sekunde an.

Der Groove treibt mich an. Rolf Möller leistet ganze Arbeit.  Zusammen  dem amtlichen Bassfundament aus „Nesthäkchen“ Lars Larsons Händen bildet er eine kompakte Einheit. Ich wünsche mir: „Lass es nicht enden“.

Uns so ist es denn auch. Ich feiere und „poge“ mich von einem Song und „Ach-Ja-Die-Nummer-gibts-ja-auch-noch-Erlebnis“ zum nächsten Song. Die Gitarrenriffs und -melodien bereiten mir großen Spaß. Bubi Hönig und Stefan Kleinkrieg harmonieren gut zusammen, machen ordentlich Dampf und spielen technisch perfekt amtlichen Rock’n Roll.

Zwischendurch ging Kai wie er sagt „sich mal die Glatze pudern“ und  für ein-zwei Nummern übernahm Stefan Kleinkrieg die Lead Vocals, was mir auch sehr gut gefallen hat. (Das mit der Glatze pudern merke ich mir für’s nächste Weihnachtsfest – wenn unterm Weihnachtsbaum mal wieder Langeweile aufkommt …)

Nicht ohne Grund sind viele Songs der Band über Jahrzehnte immer wieder in meinem Gedächtnis aufgetaucht, haben mir ihre Melodien eingehaucht, den Alltag versüsst und mich schmunzeln lassen (oft in Situationen in denen es nichts zu lachen gab).

Musik und Texte der Band sind für mich zeitlos. Ein wichtiger Beitrag zur deutschsprachigen Songkultur.

Eins ist nach diesem Abend in Köln klar: Extrabreit spielen immer noch erstklassigen Rockn’ Roll. Handgemachte geradlinige Rockmusik. Von Post Punk über Rock und etwas Hard Rock spielen sie energetisch 100 % vor die Glocke.

Die Band geht – sichtlich glücklich – erst nach zwei (längeren) Zugaben von der Bühne und ich fahre mit Alex – nicht weniger glücklich und zufrieden – (nach einer kleine Fritte in besagter Frittenbude) nach Hause, wohl wissend: Das war nicht das letzte Konzert mit Extrabreit.

Und das ganze für unter 25,00 – was sich im Geldbeutel des geübten Konzertbesuchers angenehm bemerkbar macht.

Kleiner After Show Talk mit Alex

Was stand auf dem Programm?

(Reihenfolge habe nicht mehr ganz auf dem Schirm – Wer eine Setliste hat, kann die gerne hier im Kommentar veröffentlichen …)

  • Extrabreit
  • Kleptomanie
  • Abenteuer
  • Geisterbahn
  • Polizisten
  • Superhelden
  • Glück & Geld
  • Besatzungskind
  • Der letzte Schliff
  • Präsident
  • 1-1-0
  • Russisch Roulette
  • Rote Rosen
  • Joachim
  • Lottokönig
  • Hart wie Marmelade
  • Flieger
  • Liebling
  • Hurra hurra die Schule brennt
  • Junge wir können so heiß sein
  • Annemarie
  • 3-D
  • Sturzflug

 

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