Am 20.01.2017 bin ich wieder mal meinem Instinkt gefolgt und nicht ins Kino gegangen, sondern zu einem Konzert des Sängers Moses. Er spielte in Aachen im Rahmen der Konzertreihe „Kemos Musikkiste“ im Mörgens, der Dependance des Stadttheaters Aachen.

Ich hatte da was läuten gehört, dass sich Moses was Neues für die Bühne zugelegt hat. Das kann meistens nur Gutes bedeuten und birgt spannende Überraschungen in sich. Zumal mein lieber Kollege Moritz Schippers oft die ein oder andere analoge Gerätschaft im Gepäck hat. Und analoge Sounds, da stehe ich total drauf.

Bereits im letzten Jahr hatte ich Moses ja im Rahmen eines Interviews für meinen Podcast getroffen und im Laufe des Jahres einige Male live erlebt.

Neben seiner vierköpfigen Bandbesetzung (Schlagzeug, Bass, Keys) spielt er seit einiger Zeit mit Moritz Schippers zusammen im Duo.

Duo klingt etwas nach Wühltischmucke. Was hat es also mit diesem Duo auf sich?

Zunächst mal gibts – wie oben schon erwähnt – ein spannendes Bühnen-SetUp. Die Atmosphäre im Mörgens  ist sehr entspannt, intim und lädt zum verweilen ein. Wenn man sich als Zuschauer erst mal durch das meterlange Kabelgewirr rund um den Arbeitsplatz der beiden Herren gewurschtelt hat erkennt man tolle Dinge. Analoge Synths, E-Piano, Drumcomputer und Voicerecorder.

 

Das ganze Zeug will natürlich auch gut bedient werden und das haben die beiden richtig gut drauf.

 

Moritz Schippers und Moses live im Mörgens in Aachen

Zwischen Kabelsalat und Technik

Moses Stimme zunächst mal geht mir – wie schon so oft – direkt ans Gemüt: Sie klingt gut, ist super intoniert und haut auch noch anspruchsvolle Poesie raus. Viele Melodien und Texte der Songs bleiben noch lange Zeit im Kopf und arbeiten weiter. Dabei schafft Moses es – trotz allem Lyrischem – große Energien freizusetzen, singt sich auch schon mal in Extase und fliegt förmlich tanzend von seinem Mikrophon weg. Bei etlichen Songparts benutzt er einen Looper mit dem er seine Stimme aufnimmt, harmonisch loopen und mit Effekten versehen kann: Es entsteht eine Art Chorgesang. Das Ganze integriert sich so gut in die Musik, dass man nicht unmittelbar erkennt, was da genau passiert: Sehr spannend!

 

Moses ist ja nicht nur Sänger, sondern auch Percussionist. Diese Kunst hat er schon u.a. bei dem Reggae Musiker Sebastian Sturm und auch bei der Antilopen Gang zum Besten gegeben.

Aber am heutigen Abend gab es keine Blechtonnen oder Congas auf der Bühne, sondern einen erstklasse analogen Drumcomputer. Diesen bearbeitete Moses während der Show in Echtzeit. Fette Bassdrums, tackernde HiHats und SnareDrums mit etwas Noise Geräuschen: Ein leckeres Percussion-Süppchen gewürzt mit einigen Effekten und live geschraubten Filtern: Das macht Spaß. Die daraus entstehenden Beats kicken, rumpeln und humpeln mir das Gehirn gefühlt: An die richtige Stelle. Vieles passiert spontan, einiges ist ausgecheckt.

Moses macht Elektro Pop und deutsche Texte

Parallele Welten

 

Aber das ist natürlich noch längst nicht alles. Perfekt fügt sich Moritz Schippers in das musikalische Geschehen ein. Nicht nur seine Sounds sind gut gewählt, geschmackvoll programmiert und gespielt. Auch die rhythmische Gestaltung ergänzt Moses Gesangs- und Drumcomputer-Performance super. In der linken Hand spielt Moritz u.a. Moog-Bässe. Diese sind schön fett, funky und passen gut zu den Drumsounds. Rechts oben einen neueren analogen Prophet mit tollen Sounds. Ob Flächensounds, funky Sounds oder Sequenzerlines: Ein Ohrenschmaus. Pianistisch hat Moritz auf dem E-Piano natürlich auch einiges zu bieten. Lyrische Intros, spährisch verhallte Melodiefragmente oder seine funky Art zu begleiten geben der Musik Würze.

So merke ich gar nicht wie die Zeit vergeht. Wenn nicht die absolut unbequemen Plastik-Sitz-Schalen wären: Ich hätte mich sicherlich noch Stunden dem Fluß der Musik hingeben können.

Ach ja übrigens: Kompliment an den Sound- und Lichtmann, der die Show mit seiner Arbeit sehr bereichert hat. Ich freue mich immer über Nebel im richtigen Moment und eine gute „LightShow“ – auch auf kleinen Bühnen.

Zu guter letzt: Ich liebe es, wenn Musiker harmonieren, interagieren UND sehr viel Spaß miteinander haben. Das bereitet mir als Zuschauer große Freude. Diese Energie war für mich deutlich zu spüren.  Gegen Ende des Konzertes schieben sich die beiden noch einige lustige Solofragmente rüber und spielen noch meinen persönlichen Motto Song 2017: „Bleib Cool“ (hab‘ Geduld …).

Was will ich mehr? Zufrieden und positiv geflutet gehe ich mit meiner bezaubernden Frau nach Hause und Träume Nachts von parallelen Welten (und analogen Synths …).

Die Setliste vom Konzert

  1. Stillschreien
  2. Zu leicht
  3. Irgendwann
  4. Wie du
  5. Parallel Universum
  6. Besser wird
  7. Lied an dich
  8. In meinen Träumen
  9. In einem anderem Leben
  10. Mein Herz dein Herz
  11. Halt mich
  12. Bleib cool

 

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Moses singt deutsche Texte und macht Elektro Soul

Moritz und Moses