Ich habe da so ein Pfeifen im Ohr – Ah das ist eine Sackpfeife.

Als ich vor einiger Zeit vor meinem Flügel brütete, um ein paar neue Ideen auszuprobieren, wurde ich von einem – für mich undefinierbarem – Sound aus meinem Spiel „erweckt“. Was zum Teufel war das? Ich bin der Sache nachgegangen und traf auf einen netten Menschen, der auf seinem Dudelsack übte. Wow, welch ein Sound. Wenn man bedenkt, dass man mit so einem Instrument ganz locker auf über 100 dB Lautstärke kommt, muss man sich für ein Interview warm anziehen. So nahmen die Dinge ihren Lauf.

Einige Themen des Gesprächs

  • Strike in, Bordun und Blowpipe
  • Mixolydisch
  • Dudelsack üben light
  • Celtic Punk
  • Jazzclub bis zur Pleite
  • Repertoire auf dem Dudelsack

 

Musik in der Sendung

  • „Overture to a Holiday in Berlin“, „Frank Zappa“, LP „Burnt Weeny Sandwich“, Original 1970 bei Bizarre Records, später als CD u.a. bei Rykodisc erschienen.
  • „Fields Of Athenry“, „Dropkick Murphys“, Album „Blackout“,  2003 Hellcat
  • „Whoza Mtwana“, „Dollar Brand“, Album „Live in Montreux“, 1980 Enja
  • „Sarah’s Song“, „Phil Cunningham“,  Live gespielt von Rainer Gülpen

Rainer Gülpen

„Man muss sehr lange üben, bis man länger als 10 min spielen kann“

Rainer Gülpen spielt Dudelsack

Rainer Gülpen im Auftritts Outfit.

 

 

Im Rahmen unseres Interviews hat Rainer sich intensiv mit seiner musikalischen Vita auseinandergesetzt. Eine – wie ich finde – spannende Erzählung.

 

Im Jahre 1956 in Aachen geboren bin ich folglich nicht nur ein echter Öcher im Allgemeinen, sondern auch ein Frankenberger Junge im Besonderen, da quasi im Schatten der Burg aufgewachsen.

Mit sechs Kindern in zu Beginn eher beengten Verhältnissen lebend, hatten es meine Eltern nicht leicht, die große Familie durch die Nachkriegszeit zu bringen. Dass dies doch gelang, lag nicht zuletzt an der künstlerischen und auch kunsthandwerklichen Ader unserer Mutter, die als gelernte Modezeichnerin ihren gesamten Nachwuchs selbst einkleidete und mit dem Verkauf von Ölbildern, Mosaiken und Puppen immer wieder das Haushaltsbudget aufstocken konnte.

Ich erwähne das nur deshalb, weil sie es war, die unsere Wohnung und später das schwer erkämpfte Eigenheim mit Musik erfüllte: womit ich beim eigentlichen Thema bin. Denn mit den Klängen von Bach, Mozart, Beethoven und Chopin bin ich aufgewachsen und die Melodien und Klavierstücke habe ich heute noch im Ohr. Das hat sicher dazu beigetragen, dass ich dadurch so etwas wie eine „Grundmusikalität“ mitbekommen habe, von der ich bis heute profitiere. Allerdings habe ich nur kurze Zeit bei ihr Unterricht genommen und mich dann lange Zeit auf das Hören von Musik beschränkt.

Dass dies aber doch stets etwas mehr war, als der reine Konsum von Musik, zeigte sich Jahre später, als ich begann, mich intensiv mit der vor allem amerikanischen Jazzmusik zu befassen:
Gemeinsam mit einigen Jazzbegeisterten Freunden pilgerten wir einmal in der Woche zu einem privaten Jazzkeller, dessen Besitzer eine riesige Plattensammlung besaß und uns als absoluter Enthusiast in Sachen Jazz über die neuesten Entwicklungen des Modern Jazz informierte. Wir diskutierten nächtelang, stellten Ranglisten auf, verglichen Improvisationen usw. Natürlich besuchten wir gemeinsam Konzerte.

Es war so kein Zufall, dass sich daraus etwas Neues entwickeln konnte: nämlich die Gründung eines Jazz-Clubs. Der Gesellschaftsraum einer Gaststätte in Würselen wurde in Eigenarbeit hergerichtet, mit Bühne, Bühnentechnik, Theke, Tischen und Stühlen bestückt und tatsächlich schafften wir es, über mehrere Jahre ab 1980 alle zwei Wochen ein Konzert mit internationalen Künstlern zu veranstalten. Es kamen Musiker wie Elvin Jones, Monty Alexander, Dollar Brand, David Murray, Dizzy Gillespie und viele andere. Als gelernten Germanist kam mir die Aufgabe der Pressearbeit zu, wobei ich genauso gerne an Konzertabenden den Barkeeper spielte. Vielleicht noch lieber, denn es ging bei den Konzerten richtig die Post ab.

Dass ich jetzt in einer dritten Phase begonnen habe, als Späteinsteiger noch ein Instrument, nämlich den nicht leicht zu spielenden schottischen Dudelsack, zu lernen und so doch noch zum aktiven Musikmachen gekommen bin, ist bei der beschriebenen Genese vielleicht doch kein Zufall. Natürlich kann man nach dem Verpassen sämtlicher sog. sensiblen Entwicklungsphasen des Gehirns ab einem gewissen Alter nicht zu einem richtigen Musiker werden und ich würde mich auch im besten Falle als ambitionierten Dilettanten und Autodidakten bezeichnen. Aber vielleicht haben sich die Gene, die ich von meiner Mutter übernommen habe, doch noch durchgesetzt.

Es ist eben nie zu spät, ein schlummerndes Potential zu aktivieren. Hauptsache die Musik bringt Freude und Spaß in das Leben. Und das ist für mich ganz klar der Fall.

 

Rainers Song Top Ten

  1. Muddy Waters – Hoochie Coochie Man
  2. Frank Zappa – Camarillo Brillo
  3. Johnny Cash – One
  4. B52‘s – Love Shack
  5. Mothers Finest – Baby Love
  6. Don Ellis Big Band – Final Analysis
  7. Rolling Stones – Under My Thumb
  8. Radiohead – Creep
  9. Amy Winehouse – Black To Black
  10. Isle Of Islay Pipe Band – Row Me Home

Hier kannst Du noch etwas forschen

Rainer und Thomas