Das Benedikt Jahnel Trio im Dumont in Aachen

Gestern Abend war ich in meiner lieblings Jazzkneipe Dumont in Aachen – die eigentlich gar keine Jazzkneipe ist, sondern ein cooler Laden zum Abhängen, Leute treffen und Trinken. Man wird hier sehr gut bewirtet ganz nach dem Motto „Der Gast ist König“.

Dieses Motto hat sich Betreiber Armin Burke nicht nur für seine Gäste, sondern auch für die Musiker seiner „kleinen“ regelmäßigen Konzertreihe auf die Fahne geschrieben. Hier heißt es dann zusätzlich: „Der Musiker ist König“. Er wird betreut, betüddelt, bewirtet, seine CD’s werden von Armin angepriesen, es gibt ein „rundum sorglos Betreuungspaket“. Selbst die Tür wird „bewacht“, damit zu späte Gäste nicht die laufende musikalische Darbietung stören. „Heute Konzert ohne Sprechen …“

Nicht umsonst spielen so hochkarätige Künstler wie zum Beispiel Claus Fischer, Jonas Burgwinkel, Mark Scheibe oder Pablo Held regelmäßig im Dumont.

So auch gestern Abend der Pianist Benedikt Jahnel, der mit seinem Trio seine dritte CD „The Invariant“ (erschienen auf dem Label ECM) im sehr gut besuchten Dumont vorstellte.  Zu hören und sehen waren Antonio Miguel (ES) am Kontrabass, Owen Howard (CA) am Schlagzeug und natürlich Benedikt Jahnel am Klavier.

Trio Jazz vom Benedikt Jahnel Trio der nebenbei auch Mathematiker ist

Antonio Miguel, Owen Howard und Benedikt Jahnel im Dumont in Aachen

Die angenehme Atmosphäre des Ladens hatte sich scheinbar – wie schon so oft – auch auf die Musiker übertragen, die schon sehr lange in dieser Besetzung zusammenspielen. Jahnel, der neben seinem Musikerdasein auch noch Mathematiker ist und als Bandleader und auch als Sideman mit seiner Klavierkunst bereits internationale Anerkennung erlangte, gelingt die schmale Gratwanderung zwischen komplexer Komposition, virtuosem Spiel und lyrischem Moment.

Ich persönlich mag die lyrischen Elemente sehr, kann ich doch auch einige Melodien und Themen (im Kopf) mit nach Hause nehmen und nachwirken lassen.

Seine Improvisationen sind vielschichtig und zu keinem Zeitpunkt oberflächlich. Immer wieder neue Ideen beleben den improvisatorischen Bogen, der nie überspannt oder ausgereizt ist. Ob ostinate Pianofiguren, die sich von der einen in die andere Hand bewegen, Melodien und Themen mit komplexen Harmonien, polyrhythmische Strukturen oder an Bach erinnernde Outros: Benedikt Jahnel weiß genau was er tut.

Schon bei der Präsentation seines Debüt Albums „modular concepts“ war ich erstaunt darüber, was man alles aus einer heruntergespielten E-Piano-Tastatur herausholen kann. Jahnel beherrscht z.B. die Kunst der Repetition so gut, dass man fast gar nicht glauben kann, was man dort sieht und hört.

Aber: Trotz aller Brillanz steht seine Technik nicht immer im Vordergrund. Er  beherrscht auch die Kunst des Understatements. Mal wenig spielen, mal abwarten, zuhören was sonst noch passiert. Es gibt ja noch zwei Mitmusiker, die auch noch einiges zu sagen haben und wie die Faust aufs Auge in den Bandkontext passen. Die Band harmoniert gut zusammen. Man spürt und hört, dass das Trio viele gemeinsame Konzerte erlebt hat.

Nicht nur im Spiel nimmt Jahnel das Publikum immer wieder – wie Dumont Chef Armin sagt „an die Hand“ und leitet durch seine Musik. Auch in seinen Ansagen, die u.a. kleine Geschichten über die Songs, die Musiker und deren Heimat sind, holt er das Publikum ab und begegnet diesem auf Augenhöhe.

Es ist schön zu sehen, das ein Künstler auch die hohe Kunst der Konversation (mit dem Publikum) auf der Bühne beherrscht. Das steht für mich als Zuschauer neben gut gespielter Musik IMMER mit auf dem Programm. Das hat mir an diesem Konzert auch außerordentlich gut gefallen.

Und ich glaube nicht nur mir: Das Publikum hat die dargebotene „Leistung“ jeglicher Art mit viel Applaus honoriert. Ja ja das Brot des Musikers …

Ein Gast (er stand an der Theke, wo ja oft auch während eines Konzertes gequasselt wird) sagte nach dem Konzert: „Es gab viele Momente im Programm, an denen das komplette Publikum die Energie der Band mitgeatmet hat. Niemand hat ein Wort gesprochen.“

Was will man mehr.

Danke Benedikt, Antonio und Owen. Und natürlich Danke Armin 🙂

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