Folge 49 Der Kölner Pianist Pablo Held Türen öffnen und entdecken

Wenn die Türen auf sind: Durchgehen, forschen, erleben und lernen!

Genau das macht der Kölner Pianist Pablo Held. Das intensive Leben in und mit der Musik zeigt sich nicht nur in Helds versiertem, äußerst abwechslungsreichem Spiel und seinen vielfältigen Kompositionen.

Seine Sehnsucht, noch tiefer in die Materie Musik, in die Kunst und auch zu den damit verbundenen Menschen vorzudringen und ganzheitlich zu verstehen, manifestiert sich in unterschiedlichsten Projekten und Tätigkeiten. 

Innerhalb seines Trios hat er mit  Jonas Burgwinkel und Robert Landfermann Musiker auf Augenhöhe gefunden – Gleichgesinnte in Sachen Forschungsdrang, Experimentierfreude und Freunde fürs Leben. 

Als Sideman hat er mittlerweile auf über 30 Aufnahmen mitgewirkt. 

Mit der Konzertreihe Pablo Held Meets hat er sich einen Gegenpol zu seiner seit über 15 Jahren andauernden erfolgreichen Trioarbeit geschaffen, wo er in stets neuen Besetzungen neues Repertoire kennenlernt und mit geringer Probenarbeit auf die Bühne bringt. 

Eine weitere wichtige und absolut spannende Arbeit ist Pablos Interviewreihe Pablo Held Investigates. Hier beschäftigt er sich umfassend mit seinem Interviewpartner und taucht tief in die Musik und das Leben der jeweiligen Interviewpartner*innen ein. 

Nichts desto trotz gibt es – man kann es kaum glauben – noch viele ander Dinge, die Pablo Held beschäftigen und mit Freude erfüllen. Ganz wichtig für ihn ist seine Familie, die ein äußerst wichtiger Bestandteil in seinem Leben und eine große Quelle seiner musikalischen Inspiration darstellt. 

Aber hört selbst – ich wünsche Euch viel Spaß, gute Gesundheit und einen ganz schönen Jahresausklang 2020.

Einige Themen des Gesprächs

  • Identität neu finden
  • Zeit
  • Trio + 1
  • Wertschätzung von Musik
  • Neue Dankbarkeit
  • Der Pate
  • Gitarre und Piano
  • Dekonstruktion und Call Back

Musik in der Sendung

  1. RIAS Kammerchor, MusikFabrik and Daniel Reuss – Agnus Dei aus Stravinsky: Les noces, Mass, Cantata. (harmonia mundi 2007)
  2. Joni Mitchell, Marcie, Song To A Seagull (Reprise 1968)
  3. Miles Davis, Petits Machins, Filles De Kilimanjaro (Columbia Records 1968)
  4. Pablo Held, Joni, Descent (2020 Editionrecords)

Pablo Held

“Man wollte immer viel spielen und viel weg sein und andere Länder bereisen und für verschiedene Menschen spielen können”

Pablo Held in der Musik am Piano
Pablo Held in der Musik, Foto © Bartek Barczyk

Pablo Held

“Wir müssen als Künstler versuchen nicht still zu stehen”

Pablo Held über sich

“Musik entdecken – Geboren 1986 in Hagen. Mein Vater Pianist und meine Mutter Klavierbauerin. Herbie Hancock lief beim Lego spielen,  John Scofield bei der Autofahrt in den Urlaub. Zum dritten Geburtstag schenkte mein Onkel mir mein erstes Schlagzeug. Selbst gebaut. Musik war immer da und immer um mich herum.

„Spiel mal was!” – Auf der Betriebsfeier meines Opas trommelte ich das erste mal vor Publikum. Mit 4 Jahren. Zu Stevie Wonder. Ohne zu denken, ohne Zögern, wie ein Kind eben. Vielleicht die beste Art Musik zu machen? Jedenfalls versuche ich das bis heute so.

„Er wagt es, dich teilhaben zu lassen an dem Sich-Ins-Unbekannte-Fallen-Lassen … Das macht etwas mit einem.” (Christian Weidner in den Liner Notes zu Ascent)

Als Zehnjähriger ließ mein Enthusiasmus für den Schlagzeugunterricht dann nach. Stattdessen setzte ich mich immer öfter ans Klavier. Was meinem Vater nicht entging und ihn zu einem Geschenk veranlasste: Meiner ersten Klavierstunde bei seinem Kollegen.

Musik studieren – In Hagen wartete das letzte Schuljahr. Das Abitur. Doch ich wollte nur eins: Jazz-Klavier studieren in Köln. Die bestandene Aufnahmeprüfung 2005 war mein Ticket in eine neue Welt.

Köln war magisch. Diese Szene! Jeden Abend ein, zwei Konzerte erleben. Tagsüber studieren, Sessions machen und mit Freunden Musik hören. Und natürlich Unterricht bei zwei meiner größten Helden: John Taylor und Hubert Nuss. Die besten Lehrer, die ich mir vorstellen konnte. Jede Stunde neue Welten.

Außerdem die erste Jam mit Robert Landfermann (Bass) und Jonas Burgwinkel (Schlagzeug). „Ihr seid jetzt mein Trio”, soll ich direkt danach gesagt haben. Daran erinnere ich mich nicht mehr. Nur an das Gefühl. Heute sind die beiden zwei meiner wichtigsten musikalischen Weggefährten und engsten Freunde.

Meine Musik – Seit 2006 ist das Trio also mein musikalisches zu Hause. Und ich bin dankbar, dass wir so vieles gemeinsam erleben durften: Unzählige Tourneen, 9 Alben auf Pirouet Records, 2 Alben auf Edition Records und besondere Kollaborationen mit Gästen wie John Scofield, Ralph Towner, Chris Potter, Jim Beard, Jorge Rossy, Dave Liebman oder Nelson Veras.

Das Zusammenspiel mit Robert und Jonas fühlt sich nach fast 15 Jahren unheimlich nah und vertraut an und gleichzeitig immer wieder so aufregend wie bei der ersten Jam. Unsere Musik entsteht im Moment, wie ein Gespräch unter Freunden.

Mit der eigenen Musik ein größeres Publikum zu erreichen und gute Resonanz zu bekommen, freut mich natürlich.

Auszeichnungen wie der WDR Jazzpreis, der SWR Jazzpreis oder auch die Förderung durch NICA Artist Development helfen mir, meinen Weg weiter zu gehen.

Und wenn mein Held John Scofield uns „eine der besten Gruppen der heutigen Musik” nennt, oder Ralph Towner von „einem wichtigen Beispiel für die Evolution des Klaviertrios im Jazz”spricht, dann sind das Momente, die ich erst einmal gar nicht fassen kann, die mich dann aber mit großer Dankbarkeit erfüllen.” … (Weiterlesen auf Pablo Helds Homepage)

Das Pablo Held Trio (Jonas Burgwinkel|Pablo Held|Robert Landfermann) Foto ©Nadine-Heller-Menzel

Discographie (Auszug aus eigenen Projekten):

  • Forest Of Oblivian (2008, Pirouet)
  • Music (2010, Pirouet)
  • Glow (2011, Pirouet)
  • Pablo Held Trio LIVE (2012, Pirouet)
  • Elders (2013, Pirouet)
  • The Trio Meets John Scofield (2014, Pirouet)
  • Recondita Armonia (2015, Pirouet)
  • Lineage (2016, Pirouet)
  • Glow II (2017, Pirouet)
  • Investigations (2018, Editionrecords)
  • Ascent (2020, Editionrecords)
  • Descent (2020, Editionrecords) 

 

 Spannende Musik und ansprechende CD Cover, Foto © Thomas Berndt

Aktuelle Projekte (Auszug):

  • Pablo Held Trio
  • Pablo Held Trio feat. Nelson Veras 
  •  RE: Calamari
  • Menzel Mutzke Quartett 

Pablos kleine Song – Top Ten 

Hier haben wir entschieden, keine Songs aufzulisten. Pablo Held hat einen so großen Pool an Musikstücken, die ihn beschäftigen und faszinieren, dass wir hier nicht allen Songs gerecht werden können.

Aber freut Euch: Pablo gibt Euch Tipps, wenn ihr auf der Suche nach neuer spannender Musik seid. Schreibt ihm einfach eine kurze Mail. Er freut sich auf Eure Nachricht.

Es lohnt sich sehr, tiefer in den Heldschen Musikkosmos einzutauchen. Neben den Interviews finde ich persönlich auch die Audiokommentare zu seinen CDs absolut hörenswert. 

Hier kannst Du noch etwas forschen

Connected

Interview mit dem Schlagzeuger Jonas Burgwinkel bei Inspiration Musik

Hier kannst Du Pablo Held unterstützen

Es gibt mittlerweile tolle Möglichkeiten, wie man Künstler*innen unterstützen kann, um ihre Arbeit zu würdigen und ihnen auf direktem Wege eine angemessene Entlohnung für Produkte und Arbeit zukommen lassen kann.  

Ihr könnt z.B. CDs direkt bei Pablo bestellen oder auch auf der alternativen Plattform Bandcamp hören und bestellen. 

Alternativ könnt Ihr die Arbeit von Pablo Held auch auf folgenden Portalen fördern:

Copyrights der Fotos in Folge 49:

  1. Beitragsfoto © Nadine Heller Menzel / Köln
  2. Foto 1 im Text © Bartek Barczyk / Warschau
  3. Foto 2 im Text © Nadine Heller Menzel / Köln
  4. Foto 3 im Text © Thomas Berndt / Aachen

4 Gedanken zu „<span>Folge 49</span> Der Kölner Pianist Pablo Held <strong>Türen öffnen und entdecken</strong>“

  1. Lieber Thomas, lieber Pablo,
    Ein mega inspirierendes respektvollen Interview. Danke sehr.
    Interessant fand ich unter dem Aspekt Work-Lifebalance die erweiterte Frage, wie ist jemand wie Pablo aber auch Thomas durch den allgemeinbildenden Schulweg durchgekommen? Das Kreativität nicht zerstört wurde..wie war es da mit Vertrauen, anderen Fächern, tollen Lehrern. Ich bin selbst Berufspädagoge.-
    Eine Anregung: Ich fände Audiokommentare gut mit einem Künstler, der das selbst gespielt/komponiert hat und als Sideman würde ich eine rezeptierenden Fachmann/Frau wie Thomas Berndt vorschlagen, dass eine Außenperspektive entsteht.
    Mann, was für ein geiles Gespräch. Tolle Stimmen auch..Human sounds.
    Peter Dicks, Aachen

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